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Editorial

Liebe Lesende, Martin Luther – wer war dieser Mann?

Er hat sich mit den Mächtigen seiner Zeit angelegt. Er stand für seine Überzeugung ein, obwohl es ihn unter Umständen das Leben kosten konnte. Er hat das Gesicht Europas verändert – durch die Kraft seiner Worte. Er hat unsere Sprache maßgeblich mitgeprägt. Und er hat eine geistliche Erneuerung bewirkt. Er hat aber auch wüste Beschimpfungen ausgestoßen gegenüber den Juden. Er trug Mitschuld daran, dass Bauern niedergemetzelt wurden, die seine Worte von der Freiheit missverstanden hatten. Seine Toleranz gegenüber Andersdenkenden war nicht besonders ausgeprägt .Gleichzeitig hat er durch sein Verständnis
der Freiheit die Toleranz gefördert. Wer war dieser Mann? Was bewegte die Reformatoren? Was bewegt uns als evangelische Christinnen und Christen heute daran? Seit einigen Jahren bewegen wir in unterschiedlichen Veranstaltungen in unserer Gemeinde diese Fragen als Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr. Wir gehen dabei vor wie die puzzelnden Kinder auf dem Titelbild. Es gibt unterschiedliche Aspekte und Blickwinkel in der Auseinandersetzung mit Luther und der Reformation. Für einige sind Luthers Worte wie „Schwerter“, direkt und polternd, offen und verletzend, aus heutiger Perspektive gar geschmacklos zu nennen. Aber da ist auch der andere Luther, der leise, fast zarte, der liebevoll aus- und darlegt, wie er Gottes Wort verstanden hat. Nun sind wir im Sommer dieses Jubiläumsjahres der Reformation angekommen. Sie werden in der aktuellen Ausgabe des Blickpunktes und hier auf der Homepage unterschiedliche Puzzleteile finden, um mit uns das Reformationsjubiläum zu begehen:
eine interaktive Mahlzeit, Tischreden von Katharina von Bora, Luthers Liedgut, Gründe zum Dank für das Erbe der Reformation und eine Vorschau auf unsere Festwoche im Herbst. Zuvor wünsche ich Ihnen aber einen anregenden Reformations-Sommer. Das Jubiläumsjahr wird begleitet von einer deutschlandweiten Kampagne mit dem Hashtag #Reformationssommer. Unter der Leitidee „Reformation heißt, die Welt zu hinterfragen“
fordert die Kampagne auf, sich Fragen der Gegenwart zu stellen – wie etwa: Werden wir stärker, wenn wir Schwachen helfen? Kann mir etwas Halt geben, das ich nicht fassen kann? In diesem Sinne wünsche ich uns fröhliches Weiterfragen, weitere Auseinandersetzung, weiteres gemeinsames Puzzeln!

Ihr Pastor Lennart Bernd

Luther

500 Jahre Reformation und k/ein Ende

Fünfhundert Jahre Reformation sind eine lange Zeit. Verständlich, dass wir dieses Jubiläum an die große Glocke hängen. Auch dieses Wortbild stammt von damals so wie vieles, das wir eher unbewusst aufnehmen. 500 Jahre Reformation und keine Sekunde von gestern: Wir machen uns bewusst auf die Suche nach unserem persönlichen und gemeinsamen reformatorischen Erbe. Als ich in einer Gruppe gefragt wurde, aus welcher Grundhaltung heraus ich arbeite, malte ich spontan ein großes Taufbecken
und mich darin sitzend. Nur wenige der Teilnehmer identifizierten das Taufbecken als solches, obwohl ich es mit Kreuz, Fisch und Engel versehen hatte. Niemand brachte „Taufe“ mit „Arbeit“ in Verbindung. Ist das
das Ende von Reformation - oder ist es Zeit, vermeintlich Veraltetes neu zu entdecken? Ich erzählte von meinem Vertrauen, dass jede Frau, jeder Mann, jeder Mensch einen angemessenen Platz auf Erden hat, namentlich gekennzeichnet. Damit könnte viel von dem enden, was Leben oft so schwer macht: vergleichen, kämpfen, neiden, mich und andere zu klein oder zu groß machen. Jeden Tag ins Taufbecken krabbeln – wie Martin Luther es empfahl – und hören: Du bist mehr und noch ganz anderes als das,
was du leistest. Du bist genauso viel wert wie jede und jeder andere. Du kannst heute anders leben als gestern, dich in Seelenruhe „bessern“. Fehler machen gehört dazu, Scheitern auch. Also sündige tapfer, nimm dein Leben nur mutig an. Du bist begabt, ein kostbares Original, wie wir alle. Also stirb nicht als Kopie! Du bist und bleibst geliebt. Martin Luther hat diese gute Nachricht für sich wiederentdeckt. Es macht Sinn, diese frohe Botschaft an die große Glocke zu hängen, d.h. auszurufen. Wie sähe unsere Welt aus, wenn dieses Menschenbild wieder öfter auftauchte zwischen den hochglanzpolierten oder von Angst und Schrecken verzerrten Bildern vom Menschsein, die uns alltäglich bestürmen? Wenn wir einander ansehen, wirklich anschauen: Niemand ist perfekt, jede/r auf eigene Weise schön. Mich versöhnen lassen mit meinem Menschsein – und dem der anderen. Jeden Tag Taufe feiern im Vertrauen darauf, dass Re-formation möglich ist. Alles, was in Liebe angeschaut wird, verwandelt, reformiert sich zum Guten. Liebe ist mehr als ein Wort, es ist eine Haltung, Gott zugewandt, die die Liebe selbst ist. Wenn Menschen gefragt werden, was ihnen letztlich am wichtigsten ist in ihrem Leben, dann ist es über Jahrhunderte gleich: Geliebt werden und lieben. Wie gut, wenn davon wieder mehr auf unseren Tagesordnungen
steht – heute und in 500 Jahren.

Unser reformatorisches Programm für die nächsten Monate:

Sa 15.07., Rellinger Kirche/Warft: Ma(h)lzeit für Reformation

Die Historikerin Annette Schlapkohl referiert ab 17 Uhr in der Kirche über Rellingen zur Zeit der
Reformation – eine Annäherung, Pn. (i.R.) Dr. Monika Schwinge über Reformation: Welche
Auswirkungen hat sie bis heute?, die Rellinger Gleichstellungsbeauftragte Dorathea Beckmann
über: Die eigene reformatorische Kraft entdecken – auf dem Weg zu einer
gerechteren Welt. Danach sitzen wir an Tischen auf der Warft, essen gemeinsam
– bitte bringen Sie Essbares aller Art und Geschirr mit; für Getränke
sorgen wir. Aus unseren Tischgesprächen ergeben sich Thesen, die wir vor der Kirche
„anschlagen“. Rückfragen gerne an Pastorin Iris Finnern.

Mi 27.09., Rellinger Kirche: 19 Uhr Kammerspiel "Die Tischreden der Katharina von Bora"

Mi - Fr 18. - 20.10. Kinderkirchentage

Sa 28.10. 19 Uhr Reformationskonzert der Kantorei

Mo 30.10. Gottesdienste für Schüler und Schülerinnen

Di 31.10. Rellinger Kirche: 10 Uhr Festgottesdienst zum Reformationstag

So 5.11. Nach dem Gottesdienst um 10Uhr feiern wir im großen Gemeindehaus einReformationsfest wie auf einem bunten Marktplatz.

In den Andachten der Offenen Kirche überlegen wir, wofür wir uns bei den Reformatorinnen und Reformatoren bedanken. In unseren Kindertagesstätten feiern wir wie jedes Jahr eine Bibelwoche. Diesmal lernen unsere Kleinen Martin Luther und seine Zeit kennen: „Wenn du ein Kind ansiehst,

Ihre Pastorin Iris Finnern

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